Eine einmal zu fest angezogene Schraube, ein verkanteter Gewindebohrer oder die zehnte Montage am selben Aluminiumgehäuse: Das Gewinde fasst nicht mehr. Die Schraube dreht durch, das Werkstück scheint hinüber. In der Praxis trifft das besonders weiche Werkstoffe wie Aluminium, Magnesium oder Buntmetalle, aber auch Gusswerkstoffe und Kunststoffe sind betroffen. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lohnt sich kein Neuteil. Eine fachgerechte Gewindereparatur stellt die ursprüngliche Funktion nicht nur wieder her, sondern liefert oft ein belastbareres Gewinde als das Original.
Warum reparieren statt ersetzen?
Der Austausch eines Bauteils ist in der Regel die teuerste und langwierigste Lösung. Bei Motorblöcken, Getriebegehäusen, CNC-Aufspannungen oder Maschinengestellen kommen schnell vier- bis fünfstellige Beträge zusammen, dazu Demontagezeit, Stillstand und Ersatzteilbeschaffung. Eine Gewindereparatur mit Drahtgewindeeinsätzen dauert je nach Größe nur wenige Minuten und benötigt überschaubares Werkzeug.
Drei wesentliche Punkte sprechen für die Reparatur:
- Werterhalt: Das ursprüngliche Bauteil bleibt mit allen Passungen, Bohrbildern und Bezugskanten erhalten.
- Höhere Belastbarkeit: Der eingebrachte Edelstahleinsatz verteilt die Kraft gleichmäßiger als das ursprüngliche Gewinde im weicheren Grundwerkstoff. Die reparierte Verbindung ist häufig dauerhaft tragfähiger als im Auslieferungszustand.
- Normkonform: Drahtgewindeeinsätze sind in der DIN 8140 normiert und werden in Serienfertigung, Luftfahrt, Motorenbau und Instandhaltung seit Jahrzehnten eingesetzt.

Was ist ein Drahtgewindeeinsatz und warum funktioniert er so gut?
Ein Drahtgewindeeinsatz ist eine federnde Wendel aus austenitischem, rostfreiem Edelstahldraht. Der Draht hat einen rautenförmigen Querschnitt (Rhombus, 60°) und wird durch Kaltverformung zu einer Spirale aufgerollt. Eingedreht in eine größere Aufnahmebohrung bildet er innen wieder das ursprüngliche Nenngewinde, zum Beispiel M8 in einem Aluminiumgehäuse, in dem das alte M8 ausgerissen war.
Die federnde Bauweise gibt Mikrobewegungen elastisch nach und verteilt die Schraubenkraft gleichmäßig über alle tragenden Gewindegänge. Das Ergebnis ist ein konstant niedriges Gewindereibmoment und eine deutlich höhere Verschleißfestigkeit. Ein wesentlicher Vorteil besonders bei Wartungsstellen, die regelmäßig auf- und zugeschraubt werden.
Ein in Werkstätten wie in der Industrie bewährtes Komplettsystem ist GSR coilrepair, das alle erforderlichen Werkzeuge und Einsätze aufeinander abgestimmt in einem Set bereitstellt. Eine Übersicht der verfügbaren Größen findet sich in der Produktübersicht zur Gewindereparatur.
Schritt für Schritt: So läuft die Reparatur ab








Benötigt werden ein Kernlochspiralbohrer, ein passender EG-Gewindebohrer (Einschnitt-Gewindebohrer), das Eindrehwerkzeug, der Zapfenbrecher sowie eine Bohrmaschine oder ein verstellbares Windeisen. Ein Kegelsenker zum Brechen der Bohrungskante ist optional, aber empfehlenswert.
- Defektes Gewinde aufbohren. Das beschädigte Gewinde wird mit dem zur Einsatzgröße passenden Kernlochspiralbohrer komplett ausgebohrt. Das Maß ergibt sich aus der Tabelle des jeweiligen Sets.
- Kernlochrand ansenken. Eine leichte Senkung an der Bohrungskante verhindert Grate und erleichtert den späteren Anschnitt.
- Aufnahmegewinde schneiden. Mit dem EG-Gewindebohrer wird das Aufnahmegewinde eingeschnitten. Wichtig: Es handelt sich um ein speziell auf das Coil-System abgestimmtes Gewinde. Ein Standard-Gewindebohrer ist hier nicht zulässig.
- Einsatz aufstecken. Der Mitnehmerzapfen am unteren Ende des Einsatzes greift in den Schlitz des Eindrehwerkzeugs.
- Einsatz eindrehen. Der Drahtgewindeeinsatz wird leicht vorgespannt in das Aufnahmegewinde eingedreht, bis er etwa eine viertel bis halbe Gewindegangtiefe unter der Werkstückoberfläche sitzt.
- Mitnehmerzapfen abschlagen. Mit dem Zapfenbrecher wird der Mitnehmerzapfen an der Sollbruchstelle entfernt. Das Gewinde steht damit auf seiner gesamten Länge frei.
Das reparierte Gewinde ist sofort einsatzbereit. Die ursprüngliche Schraubenlänge bleibt erhalten, was besonders wichtig ist, wenn Konstruktionen nicht verändert werden dürfen.
Hinweis zur Einbaulänge: Die Sets sind in verschiedenen Einbaulängen erhältlich. Der Standard 1,5D (anderthalbfacher Nenndurchmesser) reicht für die meisten Anwendungen aus. Für höhere Belastungen oder besonders weiche Werkstoffe empfiehlt sich 2,0D.
Wann lohnt sich die Reparatur und wann nicht?

Ein Drahtgewindeeinsatz ist keine Notlösung, sondern eine konstruktiv hochwertige Alternative. Sinnvoll ist die Reparatur dort, wo das Bauteil teuer, schwer zugänglich oder nicht ohne Weiteres ersetzbar ist: Motorblöcke, Maschinengehäuse, Aluminiumkonstruktionen, Werkzeugbau und Instandhaltung. Auch bei Neukonstruktionen mit weichen Grundwerkstoffen werden Einsätze gezielt als Gewindepanzerung vorgesehen, um häufige Verschraubungen abzufangen.
Grenzen hat das System dort, wo der Werkstoff rund um das Gewinde so stark beschädigt ist, dass die nächstgrößere Aufnahmebohrung keinen tragfähigen Materialring mehr stehen lässt. In solchen Fällen helfen Gewindebuchsen oder ähnliche Reparaturlösungen. Bleibt kein ausreichendes Material mehr, ist der Austausch die letzte Option.
Alle verfügbaren Sets und Einzelkomponenten für metrische und zöllige Gewinde sind in der Gewindereparatur-Übersicht im Shop gelistet.
Ein ausgerissenes Gewinde ist heute selten ein Totalschaden. Mit einem fachgerecht eingesetzten Drahtgewindeeinsatz lässt sich der ursprüngliche Nenndurchmesser in wenigen Minuten wiederherstellen. In weichen Werkstoffen ist das Ergebnis oft sogar haltbarer als das Original. Wer den Reparaturweg geht, spart Kosten, erhält Bauteile und Konstruktionen und gewinnt eine Verbindung, die auch wiederholte Montagen souverän verträgt. Systeme wie GSR coilrepair bündeln Werkzeug und Einsätze in einsatzfertigen Sets und machen die Reparatur auch außerhalb spezialisierter Werkstätten zuverlässig planbar.
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